Ab wann ist eine Eiche "alt"?

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Biene77
Beiträge: 2
Registriert: 24 Okt 2006, 11:54

Ab wann ist eine Eiche "alt"?

Beitrag von Biene77 »

Hallo!

Ich bin als Juristin mit folgender Frage befasst: Nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz können "alte und seltene Bäume" als Naturdenkmäler ausgewiesen werden. Vorliegend handelt es sich um eine Eiche, die nach Angaben des Grundstückseigentümers ca. 60 und nach Angaben der Behörde ca. 100 Jahre alt sein soll (Stammumfang 320cm).

Ich finde jedoch keine Angaben dazu, ab welchem Alter eine Eiche wirklich als "alt" anzusehen ist. Ich selbst bin botanisch nicht besonders versiert und habe keine Ahnung, wie alt eine "durchschnittliche" Eiche ungefähr ist. Ich halte jedoch wenig davon, einfach pauschale Angaben zu übernehmen und bin im Verlauf meiner "Nachforschungen" in diesem Forum gelandet.

Es wäre daher nett, wenn sich hier jemand finden könnte, der meine unzureichenden Kenntnisse über dieses Thema etwas erweitern könnte.

Gruß,
Biene

kurt
Beiträge: 3259
Registriert: 22 Mai 2006, 19:31
Wohnort: Bresse Bourguignonne., France

Beitrag von kurt »

Hallo Biene 77,
In diesem Forum hat Raimond Mesenbrink auf Seite 3, Altersbestimmung, So. Mai21.2006 folgendes geschrieben:
Zitat: "Die Forstwirtschaft geht von einem Durchmesser von ca.70 cm (Umfang 220 cm) in ca. 160 Jahren aus".
Auf einen Umfang von 320 cm umzurechnen, erspare ich mir. Ich glaube, das Ergebnis ist eindeutig.
Gruss
Kurt

babayaga
Beiträge: 419
Registriert: 18 Sep 2006, 19:20
Wohnort: Sachsen

Beitrag von babayaga »

Hallo Biene,

hab auch mal etwas gegoogelt (bin kein Profi, aber interessierte mich auch),
Eichen können wohl bis zu 1000 Jahre alt werden.

Wenn wir im Schnitt 100 Jahre alt würden, wäre sozusagen eine 190 Jahre alte Eiche ein Teenie und eine 700 Jahre alte ein Rentner?

Klingt scharf, oder?;-)

Nein, ich habe da Probleme mit dem Begriff 'alt', da ich denke,
alles was über ein Menschenleben/Generation hinaus geht, darf man 'alt' nennen. Eine zwei/drei Generationen alte Eiche umsomehr,
auch wennse in der 'Eichenzeitrechnung' noch ein Teenie ist.
Alles was darüber hinaus geht, bis hin zu 1000 Jahren ...,
(ever wonder, what the speed of lightning would be, if it did'nt zigzag)
... zwei/drei Eichengenerationen und wir wären vor Christi ... faszinierend.

War jetzt keine fachliche Hilfe, kann/möchte ich auch nicht einschätzen, mit meinen armseligen Menschenjahren, Eichen zu bewerten, stell ich mir echt schwer vor;;;-)))
Neenee, kann ich wirklich nicht, hab nur grade mal so bissel vor mich hin sinniert;-)

lg Nancy

Hinrich
Beiträge: 50
Registriert: 17 Okt 2006, 09:39
Wohnort: Schleswig-Holstein

Beitrag von Hinrich »

kurt hat geschrieben:Zitat: "Die Forstwirtschaft geht von einem Durchmesser von ca.70 cm (Umfang 220 cm) in ca. 160 Jahren aus".
Auf einen Umfang von 320 cm umzurechnen, erspare ich mir. Ich glaube, das Ergebnis ist eindeutig.
Also ich habe hier eine kastanienblättrige Eiche mit einem Durchmesser von gut 80 cm und eine Libanoneiche mit einem Durchmesser von rund 40 cm stehen. Beide Bäume sind vor rund 100 Jahren gepflanzt worden. Ich möchte deshalb diesen generellen Bezug zwischen Alter und Stammdurchmesser einmal in Frage stellen.

Ungeachtet dessen denke ich mal, eine Eiche fängt in unseren Breiten an alt zu werden, wenn sie 4 oder 5 Hundert Jahre alt ist.

Um auf Biene zurückzukommen: Mir ist keine juristische Definition für "Alt" bekannt, eben so wenig eine für "Jung". Gleichwohl hat der Gesetzgeber ein Jugendrecht eingeführt, welches daraf schließen lässt, legt man menschliche Maßstäbe zugrunde, das "jugendlich" rund 25% der Lebenserwartung ausmacht. Diese Abgrenzung kann sicher nicht dokmatisch gesehen werden, aber durchaus als Hilfskonstrukt verwendet werden (im rein juristischen Sinne). Setzt man diese Maßstäbe auf eine Eiche an, die hierzulande durchaus 400 bis 600 Jahre leben kann, so wäre der Begriff "Jugendlich" bestimmt für die ersten 100 Jahre anzunehmen. In der Konsequenz wäre "Alt" im letzten Viertel, also erst ab 300 Jahre anzunehmen.

Rein forstwirtschaftlich sehe ich das eigentlich ähnlich: Eine Eiche muss zwischen 150 und 200 Jahren sein, um ausgewachsen, also hiebreif zu sein. Vorher ist sie zu jung. In der Konsequenz kann man bei einer 100 oder auch 200 Jahre alten Eiche kaum von einem "alten Baum" reden.

kurt
Beiträge: 3259
Registriert: 22 Mai 2006, 19:31
Wohnort: Bresse Bourguignonne., France

Beitrag von kurt »

Hallo Biene77
Mir ist noch eine lustige Idee gekommen. Behaupte doch einfach, dass es in der Region keine Eiche dieses Alters und dieses Umfangs oder nur sehr wenige gibt und sie deswegen als alt und vor allem selten und damit schützenswert ist. Um das Gegenteil zu beweisen, kann er dann ja mit Bandmass und viel Ausdauer bewaffnet in der Gegend herumrennen. :lol:
Gruss
Kurt

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stefan
Moderator
Beiträge: 6851
Registriert: 08 Okt 2006, 19:44
Wohnort: Niederrhein
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Beitrag von stefan »

Hallo Biene,
ich bin kein Förster, aber bis eine Eiche für die Holznutzung von Interesse ist, muß sie deutlich über 100 Jahre alt sein. In einem alten Eichenbestand im Wald sind Bäume zwischen 100 und 200 Jahren wohl durchaus normal.
Damit eine Eiche als Einzelbaum als Naturdenkmal von Bedeutung werden kann, maß sie logischerweise nochmal deutich älter sein (sonst könnte keine Eiche mehr im Wald geschlagen werden!).
Somit stellt sich bei einer 60- oder 100-jährigen Eiche die Frage nach Naturdenkmal sicher noch nicht.
Gruß, Stefan

Wiesenschweigen
Beiträge: 20
Registriert: 02 Okt 2006, 09:54

Beitrag von Wiesenschweigen »

kurt hat geschrieben:Behaupte doch einfach...
Hm, Biene, was liegt den eigentlich im Interesse des Mandanten/Klägers/Beklagten und in welche Stoßrichtung geht Dein Interesse? Geht es darum, einen Baum zu retten, weil er alt genug ist, oder will jemand einen Baum loswerden, der ihm bezüglich anderer Interessen im Weg steht, und möchte ihn deswegen zu einem zu jungen, nicht schützenswerten Baum erklären?

Mir fiel auf, dass der Grundstücksbesitzer ein recht junges Alter angegeben hat, stört ihn der Baum?

Es würde mir ja leid tun, wenn ausgerechnet ein Baumfreunde-Forum Futter für angenommene oder interpretierte "Jugendlichkeit" eines Baumes liefern würde und der Baum deswegen gefällt würde.

Liebe Grüße
Tini

kurt
Beiträge: 3259
Registriert: 22 Mai 2006, 19:31
Wohnort: Bresse Bourguignonne., France

Beitrag von kurt »

Hallo zusammen,
Ich lebe hier in einer Gegend, die vom Klima und der Bodenbeschaffenheit her offensichtlich ideal für Eichen ist, sie wachsen hier wie Unkraut. Ganz in der Nähe gibt es 2 Sägewerke, die nur Eichen verarbeiten. Ich habe gestern gestern beide Sägewerke besucht und mit den Besitzern gesprochen. Unisono bestätigten sie mir, dass eine Eiche von 320 cm Umfang weit über 200 Jahre alt ist, was übrigens der oben angeführten Aussage der deutschen Forstverwaltung entspricht. Es werden praktisch keine Bäume dieses Durchmessers angeliefert, es sind alle darunter. Keiner konnte mir den Standort eines solchen Baumes nennen. Es werden wohl alle jünger geschlagen. Ich habe selbst eine Eiche mit einem Umfang von 290 cm, von der sich über frühere Eigentumsverhältnisse (sie diente früher als Markierung der Grundstücksgrenze) ein Alter von sicher über 200 Jahre ableiten lässt.
Was den Vergleich Alter Eiche/Mensch angeht, noch folgendes. Die Eiche ist eine Lichtbaumart, d.h. Zitat aus Waldpflege-Grundlagen: "sie hat ein schnelles Jugendwachstum, das frühzeitig seinen Höhepunkt erreicht (nach 15 bis 20 Jahren) und dann schnell zurückgeht". Es ist zumindest in der Jugend wie beim Menschen. Von wegen wie beim Hund einfach einen Faktor 7 im Vergleich zum Menschenalter einführen.
Warum ich mich so ereifere: Die Eiche ist mein absoluter Lieblingsbaum.

Gruss

Kurt

Harztroll
Beiträge: 676
Registriert: 18 Aug 2005, 17:30
Wohnort: Magdeburg
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Beitrag von Harztroll »

Hallo,

ich denke, daß immer der Standort und dessen Umgebung mitbetrachtet werden muß. Es ist halt was anderes, wenn starke Eichen einen größeren Bestand bilden, etwa in bestimmten Waldstücken (die dann insgesammt geschützt werden könnten (flächenhaftes Naturdenkmal)) oder wenn sie einzeln in einer eichenarmen Umgebung stehen bzw. wenn sie mit ihrer Stärke aus den in der Umgebung stehenden Bäumen herausragen.

Ansonsten schließ ich mich der Meinung von kurt an.

Und ich bin nebenbei bemerkt der Meinung, die Gesetze zum Schutz des nicht forstlich genutzten Baumbestandes sollten durchaus weiter verschärft werden. Ich finde es anmaßend, wenn ein Mensch einen Baum, der ihm in seinem Alter weitaus überlegen ist, der Jahr für Jahr gewachsen ist, der für ihn gute und schlechte Zeiten überstanden hat, einfach so beseitigt, nur weil er ihn aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen als störend empfindet. Ein gewisser Respekt sollte dahingehend vorhanden sein (der allerdings kaum noch vorhanden ist...).

Somit sollte alles getan werden, damit solche Bäume, wie diese oben genannte Eiche, ob sie nun 60, 100 oder 200 Jahre alt ist, erhalten werden.

Viele Grüße,

Chris

Biene77
Beiträge: 2
Registriert: 24 Okt 2006, 11:54

Beitrag von Biene77 »

Hallo nochmal!!

Danke für Euere Antworten, die mir sehr weitergeholfen haben!
Es ist wirklich so: Man findet in der Akte Altersangaben und müsste sie kritiklos übernehmen. Wenn man dann auf diese Weise maßgeblich aufs Alter abstellt, kann man böse auf die Nase fallen. Vorliegend könnte sich eine Unterschutzstellung zumindest vielleicht noch anders (Landschaftsbild)begründen lassen, mal sehen.


Biene

P.S. Ja, der Kläger möchte eine Unterschutzstellung vermeiden, aber ich bin nicht die Klägervertreterin.

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